Antiziganismus

 

    Antiziganismus ist Rassismus gegen Menschen mit Romno-Hintergrund.

Unter Antiziganismus versteht man Vorurteile, Klischees und Stereotype gegenüber Menschen mit Romno-Hintergrund (Roma und Sinti) oder denen, die als solche wahrgenommen werden. Solche Vorstellungen können sowohl negativer als auch positiver Art sein. Klassische antiziganistische Vorstellungen stigmatisieren Menschen mit Romno-Hintergrund als „faul“, „räuberisch“, „nomadisch“, „exotisch“, „anders“ oder „fremd“. Diese Vorurteile haben in Europa eine jahrhundertelange Geschichte – ähnlich wie Vorurteile und Ausgrenzung gegenüber Jüdinnen und Juden (Antisemitismus).

 

 

    „Antiziganismus“ als Begriff und seine wissenschaftliche Untersuchung.

Die wissenschaftliche Forschung hat für Vorurteile gegenüber Menschen mit Romno-Hintergrund die Bezeichnung „Antiziganismus“ in Parallele zum Begriff „Antisemitismus“ eingeführt. Die Verwendung des Begriffes ist teilweise umstritten, unter anderem weil er die rassistische Bezeichnung „Zigeuner“ wiederholt. Vor allem die Geschichts- und Sozialwissenschaft untersuchen die Verfolgung und Ausgrenzung von Sinti und Roma. Seit 2017 existiert am Historischen Seminar der Universität Heidelberg eine eigene Forschungsstelle für die Erforschung von Antiziganismus.

 

 

    Menschen mit Romno-Hintergrund werden aufgrund von Antiziganismus ausgegrenzt und
    benachteiligt.

Verbunden mit antiziganistischen Vorurteilen ist die diskriminierende Behandlung von und ausgrenzende Haltung gegenüber Menschen mit Romno-Hintergrund. Für Menschen mit Romno-Hintergrund gehört er zum Alltag in Europa: In Folge von Antiziganismus leben die meisten Roma im Süden und Osten Europas in bitterer Armut. Menschen mit Romno-Hintergrund haben es in Deutschland oft schwerer eine Wohnung zu finden und sie werden als Nachbar*innen von vielen abgelehnt. Auf Ämtern werden sie mitunter aufgrund ihres Hintergrunds diskriminiert und sie haben häufig nicht denselben Zugang wie die Mehrheitsgesellschaft zu politischer Teilhabe und Bildungschancen. Antiziganismus ist in Deutschland weit verbreitet und findet sich in allen gesellschaftlichen Bereichen. Betroffen von Antiziganismus sind sowohl die seit vielen Generationen in Deutschland beheimateten Sinti als auch neu zugewanderte Roma.

 

 

    Antiziganismus beschädigt die Bildungswege und selbstbestimmte Entwicklung von
    Menschen mit Romno-Hintergrund.

Antiziganismus wirkt sich insbesondere auf die Bildungsbiographie von Menschen mit Romno-Hintergrund aus. Hierfür gibt es historische Hintergründe: Roma und Sinti wurden in der Weimarer Republik und insbesondere während des Nationalsozialismus von Schulen, Universitäten und Berufen ausgeschlossen. Aufgrund der nationalsozialistischen Weltanschauung wurden sie systematisch verfolgt und ermordet. Dem Völkermord an den Roma und Sinti Europas fielen eine halbe Million Menschen zum Opfer. Durch die Verfolgung war die Generation der Überlebenden nach 1945 in Deutschland traumatisiert und benachteiligt. Auch war die Diskriminierung von Roma und Sinti nach 1945 nicht einfach verschwunden. Diese Ereignisse liegen 70 Jahre zurück, aber ihre Folgen reichen bis in unsere Gegenwart.

 

 

    „Kinder mit Romno-Hintergrund sind kein Problem an Schulen, sondern haben Probleme.“

Auch der aktuelle Antiziganismus beeinflusst Menschen mit Romno-Hintergrund in ihren Bildungsbiographien. Zugewanderte haben häufig in ihren Herkunftsländern Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren, was den Zugang zu Bildung verschlechtert. In der Schule wird häufig der Romno-Hintergrund der Kinder bei Problemen verantwortlich gemacht, ohne dass soziale und individuelle Gründe berücksichtigt werden. In einer Studie zur Bildungssituation von Roma und Sinti in Deutschland von 2011 gaben 81,2% der Befragten an, Diskriminierung an Schulen erfahren zu haben. Die Hälfte der Befragten sprach in Interviews über Vorurteile, Diskriminierung und Andersbehandlung durch das Lehrpersonal. Für ein Drittel der Befragten waren diese Erfahrungen ausschlaggebend für den Abbruch der Bildungskarriere. 57% der Befragten gaben an keinen Schulabschluss zu besitzen, lediglich 2,3% hatten das Gymnasium besucht. Antiziganistische Diskriminierung im Bildungsbereich ist ein gesamtgesellschaftliches und strukturelles Problem! Wirkliche Inklusion und Gleichberechtigung bedeutet gerechte Bildungschancen, dikriminierungsfreie Bildungszugänge und angstfreie Schul- und Ausbildungswege. Hier setzt die Arbeit der Hildegard Lagrenne Stiftung an.

 

 

Antiziganismus ist Alltag in Europa. Das ist nicht hinnehmbar!

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                aktuelle Version: 180215