Ein Paar Gedanken zum Begriff
„Sinti und Roma“

Die  Hildegard Lagrenne Stiftung verwendet in alle von ihr verfassten Schriften, Anträgen, Pressemitteilungen und bei mündlichen Aussagen den Begriff „Sinti und Roma“ oder „Roma und Sinti“ immer seltener, stattdessen verwenden sie die von Ihr kreierte Bezeichnung „Menschen mit Romno- Hintergrund“.

Dazu sollen kurz drei Aspekte hervorgehoben werden, die den Geschäftsführer Romeo Franz und seine Mitarbeiterin Ina Rosenthal dazu veranlasst haben:

  1. Romno ist ein Begriff aus dem Romanes (der Sprache der Sinti und Roma) und umschreibt all das was „Kulturell“ und „Traditionell“, in der Familie und der Historie der Roma und Sinti, aber auch der Manouches oder Cale verankert ist. Er wird  von allen Menschen die Romanes sprechen genutzt und verstanden. Somit gibt es zum ersten Mal einen Begriff,  außerhalb des Romanes, der alle Menschen mit dieser Kultur und Traditionshintergrund nicht diskriminierend benennen kann. Der Begriff lässt sich im Gegensatz zu dem Begriff „Sinti und Roma“  leicht und verständlich in alle Sprachen übersetzen.

  1. Herkunft des Begriffs „Roma und Sinti“:

In den frühen 1980er Jahren wurde dieser von den Interessenverbänden konstruierter Doppelbegriff  für die Gesamtheit aller Menschen mit Romno- Hintergrund gebildet.

Der Doppelbegriff „Sinti und Roma“ sollte die Fremdbezeichnung „Zigeuner“ ablösen. Die Bezeichnung steht, wie die von der International Roma Union bevorzugte und international dominierende Gesamtbezeichnung Roma, für den Bruch mit einer als stigmatisierend empfundenen Beschreibungsweise und fordert eine nicht diskriminierende Perspektive ein. Es war  ein wichtiger Wegweiser  hin zu einer gesellschaftlichen Inklusion und Anerkennung der Menschen mit Romno- Hintergrund.

Durch die veränderte gesellschaftliche und politische Lage, ist es aber Zeit diese Begrifflichkeit zu hinterfragen und zu reformieren.

  1. Der Doppelbegriff „Sinti und Roma“ erweckt  den Anschein, als handele es sich um eine homogene Personengruppe. Tatsächlich ist diese aber in den höchsten Massen heterogen. Menschen mit Romno- Hintergrund kommen aus dem Kultur- und Traditionskreis der Sinti, Roma, Manouche, Cale, Lovara, Kalderasch….

Sie leben seit Jahrhunderten in ganz Europa, aber auch in Nord Afrika, Syrien, Marokko  oder in der Türkei. In den Ländern sind sie oft über Jahrhunderte  hinweg sozialisiert und haben somit auch einen engen Bezug zu ihren Heimatländern.

 

Fazit


Der Begriff „Menschen mit Romno-Hintergrund“ distanziert sich von jeglicher Form der Ethnisierung, er implementiert die Minderheit in die Gruppe der Mehrheit, nämlich die der Menschen gleichberechtigt und bedingungslos. Er betont die Gemeinsamkeit und nicht das Trennende. Diese Varianten unterstreichen, dass Sinti oder Roma sein nicht den ganzen Menschen ausmacht, sondern ein Teil der Persönlichkeit ist, die je nach Biografie, Lebensphase und Charakter, mal als grösser oder kleiner, selbstbewusster oder schüchterner empfunden wird. 

Der Doppelbegriff  „Roma und Sinti“ als Bezeichnung für eine bestimmte Menschengruppe ist Apriori  ethnisierend und damit auch diskriminierend. Der Begriff Menschen mit Romno- Hintergrund  vereint alle Gruppierungen in einem  genderneutralen Begriff, der eine Zeitgemäße und in die Gesellschaft leicht inkludierbare Alternative anbietet.

 

 

Begriffserklärung

 

Menschen mit Romno-Hintergrund = Sinti, Roma, Cale, Manouche, Lovara, Kalderasch …

Sinti= Mehrzahl

Sinto= Männlich

Sintiza= Weiblich

Roma= Mehrzahl

Rom= Männlich(Einzahl)

Romnija= Weiblich  (Mehrzahl )

Romni= Weiblich (Einzahl)